Was geschah am 8. April 1665 über Stralsund?
Die früheste ausführliche Erzählung beginnt gegen 14 Uhr. Sechs Fischer lagen beim Heringsfang vor der Ostseeküste bei Barhöft vor Anker. Berichten zufolge sahen sie, wie ein großer Vogelschwarm aus dem Nordosten ankam, sich umkreiste, sich zu einem Klumpen verdichtete und sich zu einer Form ausdehnte, die einem langen Korridor ähnelte. Die Form schien dann ein großes Schiff zu sein.
Weitere Schiffe folgten, bis sie laut Broschüre nicht mehr gezählt werden konnten. Eine Flotte aus dem Süden näherte sich, Rauch verhüllte die Szene und die beiden Seiten tauschten Feuer mit Knallgeräuschen aus, die so laut waren wie schwere Geschütze. Dann trafen Flotten aus dem Westen und Osten ein. Die Fischer behaupteten, sie hätten beschädigte Masten, Flaggen, sich an Deck bewegende Besatzungen und einen dunkel gekleideten Mann sehen können, der seinen Hut unter dem rechten Arm hielt.
Gegen 18 Uhr. Die Nordflotte verschwand, während die Südflotte blieb. Bald darauf erschien über der St.-Nikolaus-Kirche eine runde, flache Form. Der Text verglich es sowohl mit einem Teller als auch mit einem großen Männerhut, dessen Farbe einem verfinsterten Mond ähnelte. Berichten zufolge blieb es bis zum Abend. Die Fischer zogen sich voller Angst zurück und litten später unter Zittern und Schmerzen.
Der Fall erscheint jetzt in historischen Listen UFO-Vorfälle, aber das Etikett ist retrospektiv. Die Drucker von 1665 beschrieben ein Wunderzeichen und ein Omen, kein außerirdisches Fahrzeug. Je breiter antike UFO-Sichtungen und historische Himmelsphänomene Das Archiv zeigt, wie Flotten, Streitwagen und göttliche Warnungen den Wortschatz vor der modernen Ära der fliegenden Untertassen prägten.
Die sechs im Bericht genannten Fischer
Die Veröffentlichungen nennen Asmus Barfod, Claus Sinnenman, Jochim Hasse, Hans Trebus, Michel Rode und Stephan Rode. In modernen Katalogen und Transkriptionen unterscheiden sich die Schreibweisen, aber die Gruppe mit sechs Namen bleibt stabil. Die Nennung angeblicher Zeugen machte den Bericht konkreter als eine anonyme Wundergeschichte.
Dem illustrierten Flugblatt zufolge handelte es sich bei den Männern um bekannte Stralsunder Bürger, die bei einer öffentlichen Vernehmung guten Gewissens ausgesagt hätten. Dem erhaltenen Abdruck liegt keine Abschrift dieser Untersuchung, keine unterzeichnete Erklärung oder keine kommunale Akte bei. Die Behauptung, sie seien offiziell befragt worden, stammt daher aus der Veröffentlichung, in der die Geschichte verkauft wurde.
Die sechs Männer teilten sich auch ein Boot und eine Aussichtsplattform. Es handelte sich um eine Zeugengruppe, nicht um sechs unabhängige Beobachtungsstationen. Der Bericht enthält keine separaten Berichte, aus denen hervorgeht, welcher Mann jedes Detail gesehen hat oder ob ihre Beschreibungen vor der Zusammenführung der Erzählung übereinstimmten.
Chronologie der Stralsunder Quellen
| Datum | Quelle oder Ereignis | Was es hinzufügt |
|---|---|---|
| 8. April 1665 | Angebliche Beobachtung | Berichten zufolge beobachteten Fischer ab etwa 14 Uhr Luftflotten und gegen Abend dann eine dunkle, plattenartige Form über der St.-Nikolaus-Kirche. |
| 10. April 1665 | Stralsunder Broschüre | Der früheste detaillierte erhaltene Bericht erschien zwei Tage später und enthielt die Namen, die Reihenfolge und den Plattenvergleich. |
| Innerhalb weniger Tage | Einkommende Ordinari und Postzeitungen | Eine Zeitungsversion berichtete über das Ereignis, ließ jedoch sowohl den anfänglichen Klumpen als auch die spätere Scheibe aus. |
| Später im Jahr 1665 | Leipziger illustriertes Flugblatt | Das erste bekannte Bild verdichtete den gesamten Ablauf in einer beschrifteten Szene und stellte die Scheibe als Mondgesicht dar. |
| 1670 | Ein Blitz schlug in die St.-Nikolaus-Kirche ein | Der Altar explodierte und neun Menschen wurden verletzt. Spätere Autoren deuteten die Scheibe von 1665 deshalb als Warnung um. |
| 1671 bis 1679 | Historische Werke und Nachdrucke | Der Bericht war mit aufeinanderfolgenden europäischen Kriegen verknüpft und wurde ohne neue Zeugenaussagen wiederholt. |
| 1680 | Erasmus Francisci und Johann Alexander Boner | Der berühmte Stich erschien 15 Jahre später auf der Grundlage gesammelter Quellen aus zweiter und dritter Hand. |
| 1689 | Relationes Curiosae | Eine umgekehrte Nachzeichnung des Stiches von 1680 gab der Geschichte ihr drittes und letztes frühneuzeitliches Bild. |
| 2023 | Ausstellung der Berliner Kunstbibliothek | Museumsforscher rekonstruierten, wie sich der Bericht in Broschüren, Zeitungen und Stichen veränderte. |
Die Zeitleiste trennt Nähe von Wiederholung. Eine in derselben Woche gedruckte Quelle ist nicht gleichzusetzen mit einem Stich, der 15 Jahre später angefertigt wurde. Es können auch zehn Veröffentlichungen von einem frühen Text abstammen, ohne dass zehn unabhängige Zeugen entstehen.
Die erste Flugschrift erschien zwei Tage später
Die Die digitale Bibliothek des Deutschen Wetterdienstes bewahrt die Broschüre vom 10. April auf, betitelt Gründliche Beziehung. Sein Überleben ist das stärkste dokumentarische Merkmal des Falles. Das Dokument wurde nur zwei Tage nach der angeblichen Beobachtung in Stralsund gedruckt und umfasst zwei nicht nummerierte Blätter.
Geschwindigkeit verringert die Möglichkeit, dass eine Geschichte über Generationen hinweg wandert, bestätigt jedoch nicht das Ereignis. In der Broschüre werden der Autor, der Drucker oder die Berichterstattungsmethode nicht genannt. Es präsentiert eine ausgefeilte kollektive Sequenz, beinhaltet politische und religiöse Interpretationen und endet mit der Frage, welche neue Katastrophe ein verärgerter Gott über die baltische Region bringen könnte.
Der Text liefert auch Details, die spätere Autoren fast wörtlich übernommen haben. Der Vogelschwarm wird zu einem Klumpen, die Korridorform, der dunkle Mann an Deck und die Tafel über dem Nikolaus kehren immer wieder zurück, weil die Autoren die Broschüre wiederverwendet haben. Die Wiederholung bildet hier oft eher eine Textvererbung als eine unabhängige Bestätigung ab.
Das früheste Bild war eine simultane Rekonstruktion
Ein separates illustriertes Flugblatt wurde später im Jahr 1665 in Leipzig veröffentlicht. Es handelt sich um den frühesten bekannten visuellen Bericht, es handelt sich jedoch nicht um eine in einem bestimmten Moment festgehaltene Ansicht. Buchstaben führen den Leser durch aufeinanderfolgende Phasen, die in einer Szene zusammengefasst sind: Vögel, Flotten aus vier Richtungen, Fischer, Rauch, Schiffe und die Form über der Kirche.

Das Bild ist daher ein Beweis dafür, wie die Geschichte im Jahr 1665 verpackt wurde, und kein direkter visueller Beweis für Schiffe am Himmel. In der Bildunterschrift wird das Ereignis als Warnung vor einem Krieg rund um die Ostsee interpretiert. Bild und Text sollten ein berichtetes Spektakel in eine lesbare politische und religiöse Botschaft verwandeln.
In der separaten Zeitung fehlt die Scheibe
Die Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin identifizierte ein Problem mit Einkommende Ordinari und Postzeitungen das die Veranstaltung innerhalb weniger Tage abdeckte. Der Korrespondent arbeitete offenbar aus einer anderen Quellenkette. Der Bericht erwähnt weder die anfängliche Ansammlung noch die plattenartige Form über der St.-Nikolaus-Kirche.
Diese Auslassung ist informativer als eine andere kopierte Beschreibung. Es zeigt, dass die bekanntesten Elemente in der ersten Berichterstattung nicht stabil waren. Möglicherweise hat die Zeitung einen unvollständigen Bericht erhalten, oder die Stralsunder Broschüre enthält möglicherweise Details, die dem Korrespondenten nicht bekannt waren. Die erhaltenen Dokumente können zwischen diesen Möglichkeiten nicht entscheiden.
Die Zeitung ist keine zweite Instrumentenlesung. Es berichtet immer noch eine Geschichte über ein Kommunikationsnetzwerk aus dem 17. Jahrhundert. Es verhindert jedoch, dass die spätere, ausführlichere Erzählung als die einzige Version behandelt wird, die in der Nähe des angeblichen Ereignisses kursiert.
Der berühmte Kupferstich entstand 15 Jahre später
Das heute am häufigsten reproduzierte Bild stammt aus dem Buch von Erasmus Francisci aus dem Jahr 1680 Der wunderreiche Überzug unserer Nider-Welt. Francisci gab zu, dass er sich auf Quellen aus zweiter und dritter Hand stützte. Der Nürnberger Kupferstecher Johann Alexander Böner fertigte die Illustration aus dem von Francisci gesammelten Material an.
Die Komposition erzeugt eine falsche Unmittelbarkeit. Im Vordergrund, auf Augenhöhe des Betrachters, sind die vermeintlich auf See befindlichen Fischer an Land platziert. Ihre Körper führen das Publikum zu den Flotten und der Scheibe, sodass der Druck eher einem Augenzeugenpanorama ähnelt als einer 15 Jahre später zusammengestellten Rekonstruktion.
Das gleiche Problem tritt auch in anderen Fällen der frühen Neuzeit auf. Das berühmte Bild ist dem beigefügt Nürnberger Himmelsphänomen ist ein theologisches Flugblatt, während das Basler Himmelsphänomen fasst mehrere Termine zu einer bebilderten Warnung zusammen. Authentische alte Bilder können weiterhin redaktionelle Objekte sein.
Wie sich die dunkle Scheibe in den Bildern veränderte
| Quelle | Darstellung der Scheibe | Beweisliche Konsequenz |
|---|---|---|
| Broschüre vom 10. April | Beschrieben als runder, flacher Teller oder großer Hut, gefärbt wie ein verfinsterter Mond. | Früher Text, aber keine Messung, Zeichnung oder gesonderte Zeugenaussage. |
| Frühe Zeitung | Nicht erwähnt. | Die Scheibe erscheint in den frühesten Berichten nicht einheitlich. |
| 1665 Leipziger Flugblatt | Kleines mondähnliches Gesicht über der Kirche. | Der Künstler interpretierte den Vergleich der Sonnenfinsternis wörtlich, statt eine Tafel zu zeichnen. |
| 1680 Francisci-Gravur | Über St. Nicholas hängt ein kompakterer dunkler Klumpen. | Das spätere Bild ähnelt eher einer modernen Untertasse, ist aber weiter von dem angeblichen Ereignis entfernt. |
| 1689 Relationes Curiosae | Die Szene von 1680 ist rückwärts nachgezeichnet und gedruckt. | Ein kopiertes Bild kann wie eine separate historische Darstellung aussehen. |
Je größer der zeitliche Abstand zur Quelle wurde, desto klarer erschien die Scheibe. Das ist das Gegenteil dessen, was eine belastbare Beweiskette leisten sollte. Spätere Künstler lösten die Mehrdeutigkeit gestalterisch auf, während moderne UFO-Bücher das schärfere Bild übernahmen, ohne seine Publikationsgeschichte immer mitzuerzählen.
Wie ein Blitzeinschlag von 1670 die Geschichte neu deutete
Am 19. Juni 1670 schlug während einer Sonntagspredigt ein Blitz in die St.-Nikolaus-Kirche ein. Der Altar explodierte und herumfliegende Trümmer verletzten neun Menschen. Spätere Autoren brachten die Katastrophe mit der plattenförmigen Form in Verbindung, die Berichten zufolge fünf Jahre zuvor über derselben Kirche angebracht worden war.
Francisci betrachtete den Streik als die Erfüllung einer Warnung. In dieser Lesung hatte Stralsund ein Zeichen erhalten, es nicht bereut und wurde an der markierten Stelle bestraft. Der Nachdruck von 1679 vereinte die Erscheinung von 1665 und das Kirchenereignis von 1670 in einer Wunderzeichenerzählung.
Dies war eine retrospektive Musterbildung. Durch den Blitzeinschlag konnte ein Objekt über der Kirche im Jahr 1665 nicht unabhängig bestätigt werden. Er gab einer zuvor mehrdeutigen Form eine Rolle und ermutigte dann Künstler, diese Form kohärenter und unheilvoller zu gestalten.
Könnte eine Fata Morgana die Luftflotten erklären?
Eine überlegene Fata Morgana kann Licht durch Luftschichten mit unterschiedlichen Temperaturen beugen und so Schiffe unterhalb des Horizonts erhöht, gestreckt, dupliziert oder auf den Kopf gestellt erscheinen lassen. Die NOAA Coast Pilot beschreibt Schiffe, die scheinbar über ihrer wahren Position schweben. Über einer kalten Ostsee sind verzerrte entfernte Schiffe ein physikalisch glaubwürdiger Kandidat.
Das Berliner Museumsprojekt betrachtete eine Fata Morgana einer Seeübung oder Seeschlacht. Die Forscher fanden kein passendes maritimes Ereignis. Der Vorschlag muss auch eine lange Sequenz mit Flotten aus vier Richtungen, Schüssen, detaillierten Besatzungen und einer separaten Form, die auf eine Stadtkirche ausgerichtet ist, erklären.
Eine Fata Morgana könnte das Kernbild von am Himmel schwebenden Schiffen darstellen, ohne jedes gedruckte Detail wiederzugeben. Die gleiche Vorsicht gilt auch umgekehrt. Fehlende Wetterbeobachtungen und Schiffsaufzeichnungen verhindern eine konkrete Fata Morgana-Rekonstruktion, daher sollte die Möglichkeit nicht als gelöster Fall dargestellt werden.
Vier Erklärungen im Vergleich mit dem Bericht
| Erklärung | Was es erklären kann | Was es offen lässt |
|---|---|---|
| Vogelschwarm | Der Bericht beginnt damit, dass viele Vögel kreisen, sich sammeln und ihre scheinbare Form ändern. | Schiffe, Rauch, Kanonendonner, Besatzungen und die spätere Scheibe. |
| Überlegene Fata Morgana | Entfernte Schiffe erscheinen erhöht, vergrößert, vervielfacht oder verzerrt über dem Horizont. | Es wurde keine passende Flotte identifiziert und die kirchlich ausgerichtete Form erscheint später. |
| Seemannsgarn oder Schwindel | Die ausgefeilte Sequenz, politische Symbolik, fehlende Zeugenaussagen und der Markt für kommerzielle Wunderdrucke. | Schnell erschien eine Broschüre, in der sechs ortsansässige Männer genannt wurden und eine öffentliche Befragung gefordert wurde. |
| Zusammengesetztes Ereignis | Vögel, entfernte Schiffe, ungewöhnliche Lichtbrechung, Geräusche und spätere redaktionelle Konstruktionen tragen zu unterschiedlichen Details bei. | Die erhaltenen Aufzeichnungen sind zu spärlich, um jedes Merkmal einer verifizierten Ursache zuzuordnen. |
Die gemeldeten körperlichen Symptome trennen die Optionen nicht. Zittern und Schmerzen erscheinen in der Broschüre ohne Krankenakte, Untersuchungsdatum oder Diagnose. Angst, Kälteexposition und narrative Symbolik bleiben mindestens ebenso plausibel wie eine unbekannte Strahlungswirkung.
Der Fall veranschaulicht auch die psychosoziale UFO-Hypothese ohne die Fischer zu Lügnern zu degradieren. Ein mehrdeutiger Reiz kann aufrichtig beobachtet, anhand vertrauter Kriegs- und Religionsbilder interpretiert und dann verschärft werden, wenn die Verlage um die Erklärung konkurrieren.
Was die Quellen zum Fall Stralsund tatsächlich belegen
Im April 1665 wurde in der Nähe von Stralsund etwas gemeldet, und zwei Tage später erschien eine ausführliche Broschüre. Die Veröffentlichung nannte sechs Männer, fixierte die Beobachtung auf einen Ort und eine Zeit und lieferte eine Sequenz, die anschaulich genug war, um in späteren Geschichten und Stichen erhalten zu bleiben.
Das Archiv belegt keine tatsächlichen Kriegsschiffe, die durch die Atmosphäre fliegen. Es enthält keine direkten Zeugenaussagen, Wetterdaten, Schiffsprotokolle, physische Spuren oder Bilder, die aus Beobachtungen entstanden sind. Sogar die plattenartige Form fehlt in einem frühen Zeitungsbericht und ändert sich in den erhaltenen Abbildungen.
Stralsund lässt sich am besten als zwei miteinander verbundene Mysterien verstehen. Der erste ist der Reiz, bei dem es sich möglicherweise um Vögel, Schiffe, Lichtbrechung oder Erfindungen handelt. Das zweite ist die Umwandlung dieses Berichts in einen visuellen UFO-Fall. Die Dokumente dokumentieren den zweiten Prozess in ungewöhnlicher Detailliertheit, während der erste ungelöst bleibt.
Quellen
- Digitale Bibliothek des Deutschen Wetterdienstes: Gründliche Beziehung, Stralsund, 10. April 1665
- Wikisource und Herzog August Bibliothek: transkribiertes illustriertes Flugblatt von 1665
- Staatliche Museen zu Berlin: Ein UFO im Jahr 1665, Die Luftschlacht von Stralsund
- Kunstbibliothek Berlin: Zweisprachige Ausstellungstexte und Objekthinweise
- Moritz Wullen: UFO 1665 Katalogauszug
- Forschungsbibliothek des Rijksmuseums: UFO 1665 Katalogeintrag